Von Welpen und Junghunden

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Welpenentwicklung

Die Entwicklung von Welpen und Junghunden ist eine spannende Zeit. Dieser Artikel gibt Ihnen Informationen über

  1. Die Entwicklung von Welpen und Junghunden
  2. Wann ist die richtige Zeit um einen Welpen in die Familie aufzunehmen?
  3. Die Ankunft und die ersten Tage im neuen Heim
  4. Stubenreinheit
  5. Wie lange darf ein Welpe spazieren gehen?
  6. Die juvenile Phase: Pubertät und Adoleszenz
  7. Was ist im Training während der juvenilen Phase zu beachten

 

1. Die Entwicklungsphasen von Welpen und Junghunden

Die Entwicklung eines Hundes wird in verschiedene Lebensabschnitte gegliedert.

Die Embryonalentwicklung endet mit der Geburt des Welpen und ist deshalb von den folgenden Entwicklungsabschnitten des Hundes klar abgegrenzt.

Nach der Geburt beginnt die Welpenzeit, die ca. bis zum 5. Lebensmonat dauert. Es folgt die juvenile Phase, die bis zum 24., teilweise bis zum 30. Lebensmonat andauert. Danach gilt der Hund als erwachsen.

 

2. Wann ist der richtige Zeitpunkt einen Welpen in die Familie aufzunehmen?

Bislang gab es immer die Empfehlung einen Welpen mit der achten Lebenswoche in die Familie aufzunehmen. Heute weiß man, dass der Welpe besser ein bis vier Wochen später von der Mutter und den Geschwistern getrennt werden sollte. Dies hat folgende Gründe:

Die Fremdelphasen:

Fremdelphasen sind Phasen, in denen ein junges Lebewesen Schutz gegenüber Fremden und Neuem bei den Eltern sucht. Beim Hund sind drei Fremdelphasen bekannt:

  • Die erste Fremdelphase findet ca. mit 8 Wochen statt und dauert ungefähr eine Woche an.
  • Die zweite Fremdelphase findet mit ca. 4,5 Monaten statt.
  • Die dritte Fremdelphase beginnt mit ca. 9 Monaten.

Nimmt man nun den Welpen mit acht Wochen zu sich in die Familie ist er gerade in der ersten Fremdelphase und reagiert ängstlicher und unsicherer auf alles Neues.

Erlernen der Beißhemmung:

Die Beißhemmung ist bei Welpen nicht angeboren. Sie wird zwischen der siebten und zehnten Lebenswoche erlernt. Trennt man nun den Welpen mit acht Wochen von der Mutterhündin und seinen Geschwistern, durfte er nur eine sehr kurze Zeit die Beißhemmung bei seinen Geschwistern und der Mutterhündin erlernen.
 

3. Die Ankunft und die ersten Tage im neuen Heim

Daheim angekommen geben Sie Ihrem jungen Hund zuerst einmal die Möglichkeit sich zu lösen. Alles ist neu für ihn, deswegen lassen Sie ihn im neuen Zuhause alles in Ruhe erkunden. Zeigen Sie ihm seinen Trink- und Wassernapf sowie seinen Schlafplatz.

Versuchen Sie Ihren Alltag so normal wie möglich zu gestalten, d. h. gehen Sie Ihren normalen Aktivitäten nach. Auf Besuch sollte die erste Zeit verzichtet werden.

 

4. Stubenreinheit

Ein Welpe wird nicht mit dem Wissen geboren, dass es in unserer menschlichen Welt nicht gern gesehen ist, in der Wohnung das Geschäft zu verrichten. Deshalb müssen wir ihm beibringen wann und wo er sein Geschäft verrichten darf:

Bringen Sie Ihren Welpen nach jedem Schlafen, Fressen, Trinken sowie Spielen nach draußen.  Wird Ihr Welpeunruhig oder schnüffelt an einer Stelle intensiv bringen Sie ihn ebenfalls nach draußen. Loben Sie Ihren jungen Hund, wenn er sein Geschäft draußen verrichtet hat.

Sollte doch einmal ein Missgeschickt passieren, bestrafen Sie Ihren Welpen niemals. Ihr Hund weiß noch nicht, was von ihm erwartet wird. Lassen Sie ihm Zeit zu verstehen.

 

5. Wie lange darf ein Welpe spazieren gehen?

Halten Sie die erste Zeit die Spaziergänge mit Ihrem Welpen sehr kurz. Als Daumenregel gilt:

1 Minute spazieren gehen pro Lebenswoche

Sie brauchen sich nicht akribisch an diese Daumenregel halten, ein paar Minuten mehr oder weniger sind nicht schlimm, passen Sie die Bewegungsdauer der Aktivität Ihres Welpen an.

Wichtig!

Überfordern Sie Ihren Welpen nicht mit Gewaltmärschen oder stressigen Stadtbesuchen, dies hat Zeit bis er erwachsener geworden ist.

Außerdem:

Ein junger Hund braucht sehr viele Ruhephasen, in denen er sich ausruhen und Erlebtes verarbeiten kann. Sorgen Sie für ein gutes Gleichgewicht.

 

6. Die juvenile Phase: Pubertät und Adoleszenz

Die juvenile Phase beginnt nach der Welpenzeit mit dem Zahnwechsel und endet mit dem Übergang zum erwachsenen Hund. Die beiden Entwicklungsphasen, Pubertät und Adoleszenz, während der juvenilen Phase sind nicht konkret voneinander trennbar und gehen oft nahtlos ineinander über.

In der Pubertät wird die Geschlechtsreife des Hundes erreicht. Diese findet zwischen dem 6. und 12. Lebensmonat statt.

Anschließend beginnt die Adoleszenz. Diese ist geprägt durch starkes Wachstum, endgültige Entwicklung der sekundären Geschlechtsmerkmale sowie eine Veränderung von Verhalten und Stimmung.

Was verändert sich aber konkret?

  • Die Umwelt wird interessanter.
  • Der Hund wird unabhängiger und läuft weiter vom Menschen weg.
  • Jagdverhalten wird des Öfteren gezeigt.
  • Das Sexualverhalten wird auffälliger.
  • Das Spielverhalten verändert sich.
  • Auf bekannte Reize und Situationen wird mit Angst- oder Aggressionsverhalten reagiert.

Doch nicht nur im sichtbaren Verhalten verändert sich etwas, auch im Inneren spielt sich eine Menge ab:

  • Der Hormonhaushalt verändert sich.
  • Es entstehen Umbauten im Gehirn.

 Der junge Hund reagiert auf bekannte Situationen sehr viel leichter mit Stress. Der Grund dafür liegt im Mandelkern, einer paarigen Struktur im Limbischen System (emotionales Zentrum). Der Mandelkern reagiert während der Adoleszenz viel intensiver auf Umweltreize und der Hund zeigt dadurch emotionaleres und ängstlicheres Verhalten.

In der Adoleszenz treten immer wieder Ängste auf. Diese Phasen der Angst sollten nicht ignoriert, sondern ernst genommen werden. Es zeigen sich oft Ängste im Bereich der Trennungsangst und Geräuschempfindlichkeit.

 

7. Was ist im Training während der juvenilen Phase zu beachten?

Den Veränderungen im Verhalten während der Junghundentwicklung liegen Veränderungen in der Innenwelt des Hundes zugrunde.

Training mit dem Hund verhindert nicht die Junghundentwicklung mit ihrem typischen Kennzeichen. Das Training muss der Entwicklung des Hunde angepasst werden. Dies bedeutet konkret:

  • Der Hund wird an der langen Leine gesichert um zu verhindern, dass er unerwünschtes Verhalten zeigen kann.
  • Es wird vermehrt an der Senkung des Erregungsniveaus in verschiedenen Alltagssituationen gearbeitet.
  • Üben des zuverlässigen Rückrufs mit motivationsgerechten Belohnungen.

 

Die Entwicklung eines Welpen zum erwachsenen Hund ist eine ereignisreiche Zeit mit viel Veränderungen. Als Hundehalter brauchen Sie viel Geduld und Durchhaltevermögen, das sich aber lohnt.

 

 © Hundeschule VitaCanis, Sabrina Reichel