Trennungsstress beim Hund

Drucken

Jault Fiffi herzzerreißend, wenn Sie die Wohnung verlassen? Gestaltet Ihr Hund immer wieder Ihre Wohnung um, wenn er allein Zuhause ist?

Zeigt ein Hund dieses Verhalten, heißt es entweder, dass er unter Trennungsangst oder Kontrollzwang leidet.
Beide Begriffe stammen aus der Psychologie. Der Begriff „Trennungsangst“ beschreibt eine Entwicklungsphase bei Kleinkindern und unter dem Begriff „Kontrollzwang“ versteht man eine Verhaltensstörung.

Ich verwende lieber den Begriff „Trennungsstress“, der aus der Neurobiologie stammt, und wie ich finde, die Situation sehr passend trifft: Wir verlassen das Haus ohne unseren Hund und anschließend hat dieser Stress. Dies ist die Situation ohne eine emotionale Beurteilung.

 

1. Mögliche Ursachen für Trennungsstress

  • Charakter des Hundes: Jeder Hund ist individuell und zeigt andere Charaktereigenschaften. Der eine ist mutig, aufgeschlossen und selbstsicher, der andere hingegen ängstlich, introvertiert und neuen Situationen gegenüber skeptisch. Hier ist es klar, dass der unsicherere Hund vielleicht größere Schwierigkeiten mit dem Alleinsein haben kann.
  • Übernahme eines Hundes aus zweiter Hand: Manche Hunde entwickeln durch Aussetzen oder Abgabe Trennungsstress. Das Gefühl von Sicherheit eines Heims und einer Familie ist urplötzlich weg und dadurch emotional sehr schwierig. Sie wissen nicht was nun kommt. Nun versteht sich von selbst, wenn ein Hund endlich wieder eine neue Familie gefunden hat und er sich dort wohl fühlt, dass immer noch die Unsicherheit bleiben kann diese wieder zu verlieren.
  •  Traumatische Erlebnisse: Auch wenn ein Hund ruhig und entspannt allein Zuhause bleiben kann, kann durch ein angsteinflössendes Ereignis Trennungsstress ausgelöst werden. Hierzu können Gewitter, plötzliche ungewöhnliche Geräusche oder auch ein Einbruch zählen.
  •  Senioren: Wenn Hund älter werden bekommen sie wie wir Menschen auch die unterschiedlichsten Gebrechen. Sie können taub und blind werden. Diese Situation wirkt auf einige Hunde beängstigend und so kann es ihr bestreben sein, sich ihrer Umgebung zu versichern. Dies kann sich in Trennungsstress äußern.

 

2. Irrtum über Trennungsstress

Kuscheln Sie gerne mit Ihrem Hund auf der Couch?Oder schläft er mit Ihnen im Bett?

Keine Sorgen! Im Bett schlafen oder auf der Couch mit seinem Menschen zu kuscheln fördert nicht den Trennungsstress! Genießen Sie also die Kuschelzeit mit Ihrem Hund!

 

3. Vorbereitungen

Bevor das Training begonnen werden kann, ist es das oberste Gebot: Management! Ihr Hund darf nicht mehr allein gelassen werden. Nehmen Sie ihn mit, wenn es geht oder organisieren Sie einen Hundesitter. Dies bedeutet sehr viel Organisation Ihrerseits und Planung im Voraus.

Außerdem sollten Sie auf die Ernährung Ihres Hundes achten. Füttern Sie hochwertiges Futter, das auf die Bedürfnisse Ihres Hundes angepasst ist. Falsche Ernährung kann neben gesundheitlichen Problemen zu Unruhe und Hyperaktivität führen.

Des Weiteren ist die körperliche und geistige Auslastung Ihres Hundes von großer Bedeutung. Gehen Sie mit Ihrem Hund ausgiebig spazieren oder wandern, dies ermüdet ihn körperlich und geistig, denn es gibt immer wieder Neues zu entdecken und viel zu schnüffeln.

Fordern Sie ihn mit Tricktraining oder Nasenarbeit, um die grauen Zellen zum Rauchen zu bringen. Auch kann Ihnen Ihr Hund bei der Hausarbeit helfen und den Eimer oder Besen apportieren.

Ziel der Vorbereitungsmaßnahmen ist es Ihren Hund in einen allgemeinen entspannten Zustand zu bekommen, damit das nachfolgende Training fruchten kann.

 

4. Hilfsmittel

  •  Konditionierte Entspannung: Entspannung, der Gegenspieler von Aufregung und damit auch von Angst, hilft die Verhaltensreaktion zu schwächen.
  • D.A.P.: D.A.P. ist die Abkürzung für Dog Appeasing Pheromons und ist ein nachgebildetes Pheromon, das am Gesäuge der Mitterhündin 3-5 Tage nach der Geburt der Welpen gebildet wird und diesen zur Entspannung zur verhilft. Dieses Pheromon ist nachgebildet in Form von Spray oder eines Steckers zu kaufen.
  • Körperbänder und Thundershirt: Druck auf die Körperoberfläche löst beim Hund die Ausschüttung des Beruhigungshormons Oxytocin aus und kann dadurch einen Entspannungseffekt hervorrufen. Deshalb können Körperbänder oder auch das Thundershirt einem Hund helfen verschiedenen Situationen entspannter zu begegnen.
  • Bachblüten: Pflanzen wurden schon seit jeher zu medikamentösen Zwecken eingesetzt. Auch beim Training gegen den Trennungsstress können die Blüten unterstützend helfen.
  • Medikamente: Wann Medikamente zu geben sind kann nicht eindeutig und allgemeingültig festgesetzt werden. Jedoch kann man sagen, dass Hunden, die so extremen Trennungsstress zeigen, dass ihre Gesundheit sowie ihr Wohlbefinden enorm beeinträchtigt werden, begleitend zum Training Medikamente in Absprache mit einem Tierarzt gegeben werden sollten.

 

5. Training zur Verhaltensänderung

Wie beginnt man nun mit dem Training des Alleinbleibens?

Schaffen Sie einen Sicherheitsbereich für Ihren Hund, auf dem er sich wohl fühlt. Dies wird nun seine Alleinsein-Zone. Dies kann eine Hundebox sein oder auch ein einzelner Raum. Verknüpfen Sie diese Zone mit Entspannung.

Nun geht es daran Ihrem Hund zu zeigen, dass es nicht schlimm ist, wenn Sie nicht immer in seiner Nähe sind und das Schritt für Schritt. Beginnen Sie zunächst damit, dass Sie einen anderen Raum in der Wohnung wechseln und dir Tür kurz hinter sich schließen. Anschließend gehen Sie sofort wieder in den Raum zurück.

Die Dauer wird immer weiter ausgedehnt, jedoch nur wenn Ihr Hund ruhig und entspannt zurück bleibt.

Klappt dies alles sehr gut und zuverlässig, spielen Sie das Fortgehen. Bringen Sie Ihren Hund in seine Sicherheitszone, nehmen Sie den Schlüssel in die Hand und ziehen Sie die Jacke an, anschließend legen Sie alles wieder ab.

Das ganze Training findet in sehr kleinen Schritten statt, seien Sie geduldig und geben Sie Ihrem Hund die Zeit, die er braucht um entspannt allein bleiben zu können.

 

Das Vorgehen zur Verhaltensänderung ist aus diversen Gründen nicht sehr ausführlich beschrieben. Sollte Ihr Hund an Trennungsstress leiden ist es von Vorteil, wenn sich ein kompetenter Hundetrainer von der Situation ein Bild macht um mit neutralem Auge zu beurteilen. Trennungsstress kann ein schwerwiegendes Problem für Mensch und Hund werden und es sollte deshalb von Anfang an richtig dagegen gearbeitet werden.

 

 

© Hundeschule VitaCanis, Sabrina Reichel